HEINRICH VOGELER: DER TRAUM VOM FRIEDEN

Der Künstler Heinrich Vogeler (1872-1942) ist untrennbar mit der Künstlerkolonie Worpswede und dem Barkenhoff verbunden. Vor dem Ersten Weltkrieg inszeniert er hier sein Leben als Gesamtkunstwerk. Unter dem Einfluss des Jugendstils, der englischen Präraffaeliten und der Arts and Crafts-Bewegung entstanden hier Meisterwerke der Grafik und der Buchillustration, Gemälde sowie Entwürfe für Architektur und Kunstgewerbe.

Vogelers Schaffen war stets angetrieben von dem Gedanken an ein Leben im Einklang mit der Natur und ein friedfertiges soziales Miteinander der Menschen. So finden sich neben Märchen- und Landschaftsthemen Pläne für Land- und Arbeiterhäuser und seriell gestaltete Möbel und Gebrauchsgegenstände. Sie zeigen Vogeler als Reformer, Utopist und pragmatischen Designer, der sich mit der neuen Lebensreformbewegung und den Gartenstadt-Bewegungen in England und Deutschland identifizierte, die Elendsquartiere der Arbeiter durch moderne Wohnanlagen ersetzten.

Das Ideal einer friedvollen Gesellschaft und einer unbeschädigten Natur verfolgt Vogeler überdies in Zeichnungen und Gemälden, die er im Ersten Weltkrieg anfertigt. Kriegsgerät und Soldaten werden Bestandteil von Landschaften, die dokumentarischen statt zerstörenden Charakter besitzen. Sie nehmen spätere Landschaftsdarstellungen vorweg, die auf Reisen oder im staatlichen Auftrag der Sowjetunion entstanden.

Eine Radikalisierung erfahren seine Ideen nach dem Ersten Weltkrieg dennoch: Vogeler schließt sich der Räterepublik und der Kommunistischen Partei an. Der Barkenhoff wird landwirtschaftlich-handwerkliche Kommune, „Arbeitsschule“ und schließlich Erholungsheim für Soldatenkinder. Vogeler, der 1931 nach Moskau übersiedelt, stirbt 1942 nach der Zwangsevakuierung in Kasachstan in völliger Armut.

Kunsthaus Apolda
Bahnhofstraße 42
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